Interview mit Tabatha von Kölichen zur WLAN-Strategie von Fortinet

 „Konnektivität und Sicherheit müssen von Anfang an integriert sein“

 

Mit der Übernahme von Meru Networks hat Fortinet im vergangenen Jahr sein Lösungsangebot in Richtung Enterprise WLAN erweitert. Wie wurden seitdem die Technologien von Meru in das Portfolio von Fortinet integriert? Und wie sehen die zukünftigen Pläne für die Fortinet Wireless-Lösungen aus? Wir befragten dazu Tabatha von Kölichen, die sich als Sales Director WLAN Business Germany bei Fortinet um das Thema Secure Access Architecture kümmert.

 

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(c) Fortinet

 

Frau von Kölichen, im Juli 2015 hat Fortinet die Übernahme von Meru Networks abgeschlossen – was war das Ziel dieser Akquisition?

 

Die Idee dahinter war, marktführende Security-Technologien mit ausgereiften Lösungen für das Enterprise WLAN zu verbinden. Eine aktuelle Studie zeigt, dass jeder zweite IT-Verantwortliche in Europa die Wireless-Infrastruktur als den verwundbarsten Teil seiner IT-Umgebung betrachtet. Das Zusammenspiel von Security-Lösungen und Wireless-Produkten wird daher immer wichtiger. Fortinet bietet seinen Kunden heute eine Secure Access Architecture, bei der Sicherheit und Konnektivität von Anfang an integriert sind.

 

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(c) Fortinet

 

Warum war Meru Networks als Unternehmen für Fortinet so interessant?

 

Mit vielen Innovationen und einer sehr großen Kundenbasis hatte sich Meru Networks zu einem alternativen Hersteller im Enterprise WLAN-Bereich entwickelt, der gerade dann oft zum Einsatz kam, wenn die Technik der etablierten Hersteller versagt hatte. Das Unternehmen besaß mehr als 30 Patente und war Marktführer im Bereich der virtualisierten WLAN-Technologie. Mehr als 14.000 Unternehmen weltweit setzen Lösungen von Meru Networks ein, darunter auch zahlreiche Organisationen in Deutschland wie die TU Dortmund, die Hamburger Barclaycard-Arena und der Flachglashersteller f | glass.

 

Fortinet hatte ja bereits zuvor eigene WLAN-Produkte im Angebot. Wie unterscheiden sich diese von den Meru-Lösungen?

 

Mit den FortiAP-Produkten verfügte Fortinet bereits über integrierte WLAN-Lösungen für kleinere Umgebungen, wie etwa verteilte Vertriebsbüros oder Home Offices. Diese Lösungen lassen sich sehr einfach implementieren, da vorhandene FortiGate-Appliances die Funktion des Controllers übernehmen. Daneben bietet Fortinet unter dem Namen FortiAP-S auch controllerlose Smart Access Points an, die komplett über die Cloud gemanagt werden – ideal zum Beispiel für Schulen oder Händler mit einem großen Filialnetz. Mit den von Meru Networks entwickelten Lösungen adressiert Fortinet nun gezielt den Bereich Enterprise WLAN – also große Umgebungen mit hoher Clientdichte, sehr mobilen Anwendern und anspruchsvollen Anwendungen wie HD-Video und WLAN-Telefonie. Typische Einsatzfelder sind beispielsweise Gesundheitseinrichtungen, Produktionsbetriebe und Logistikzentren. Die ehemaligen Meru-Produkte werden von Fortinet jetzt als „Infrastructure Solutions“ angeboten.

 

Was zeichnet die Infrastructure WLAN-Lösungen von Fortinet aus?

 

Ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal unserer Technologie ist der Grundsatz „Network in Control“. Bei Lösungen von Mitbewerbern entscheidet typischerweise der Client, mit welchem Access Point er sich verbindet und wann er den Access Point wechselt. Im Gegensatz dazu wird der Zugang bei unseren Lösungen komplett über den Controller gesteuert. Er entscheidet, mit welchem Access Point sich welcher Client verbindet und wann er den Access Point wechseln darf.

 

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(c) Fortinet

 

Wie profitieren Anwender von diesem Ansatz?

 

Vor allem durch eine verbesserte Anwendungsperformance: Wenn ein Benutzer sich beispielsweise innerhalb eines Gebäudes bewegt, wird er automatisch zum richtigen Zeitpunkt mit dem nächsten verfügbaren Access Point verbunden. Wir verhindern so das Problem der „Sticky Clients“, die so lange mit dem bisherigen Access Point verbunden bleiben, bis die Verbindung abreißt. Mit unserer Technologie der WLAN-Virtualisierung können wir zudem die Bandbreite gleichmäßig unter allen Benutzern aufteilen, die sich in einer WLAN-Umgebung befinden. Diese „Air Time Fairness“ ist gerade für Umgebungen mit großen Anwenderzahlen und hoher Client-Dichte wichtig.

 

Eine weitere Besonderheit der Infrastructure-Lösungen von Fortinet ist die Single Channel-Architektur. Was ist darunter zu verstehen?

 

Andere Hersteller nutzen für eine lückenlose WLAN-Abdeckung drei unterschiedliche Kanäle, die sich nicht überlappen dürfen, damit es nicht zu Interferenzen kommt. Bei unserem Single Channel-Architektur können hingegen alle Access Points auf demselben Kanal betrieben werden. Dies vereinfacht die Planung, Implementierung und Erweiterung von WLAN-Umgebungen erheblich. Zudem ist es für unsere Kunden dadurch auch viel häufiger möglich, 80 MHz- oder sogar 160 MHz-Kanäle in 802.11ac-Umgebungen zu nutzen und so die WLAN-Performance zu erhöhen.

 

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(c) Fortinet

 

Die Single Channel-Architektur eröffnet zudem noch weitere Möglichkeiten. In Umgebungen mit sehr hoher Benutzerdichte – wie zum Beispiel Fußballstadien oder Universitäten – lässt sich die Kapazität des Netzwerks durch Channel Layering auf das bis zu Dreifache erhöhen. Gleichzeitig kann das Channel Layering genutzt werden, um physisch getrennte WLAN-Umgebungen für unterschiedliche Anwendungen zur Verfügung zu stellen. Kunden aus dem Gesundheitswesen richten auf diese Weise beispielsweise jeweils einen eigenen Channel für Patienten-WLAN, Medizintechnik und mobile Visite ein.

 

Welche Wireless-Produkte bietet Fortinet im Infrastructure-Segment an?

 

Unser Angebot umfasst unterschiedliche Access Points für den Indoor- und Outdoor-Einsatz sowie virtuelle und physische Controller für bis zu 5.000 Access Points. Wave 2-Komponenten sind für das zweite Halbjahr 2016 geplant. Durch die Übernahme von Meru hat sich Fortinet außerdem mehrere Software-Lösungen gesichert, die in die Management-Plattform Fortinet Center eingeflossen sind. Dazu gehört beispielsweise Meru Connect (jetzt Fortinet Connect) – eine Lösung für das sichere und schnelle Onboarding von Mitarbeitern und Gast-Anwendern im WLAN.

 

Wie funktioniert das Zusammenspiel der neuen Wireless-Produkte mit den Security-Lösungen von Fortinet?

 

Die Wireless-Lösungen von Meru haben schon früher sehr gut zusammen mit FortiGate-Firewalls funktioniert. Derzeit arbeiten wir daran, das Zusammenspiel weiter zu verbessern und das Thema Wireless Security für unsere Kunden noch einfacher zu machen. Aus unseren Gesprächen mit IT-Verantwortlichen wissen wir, dass die Anforderungen an die Sicherheit in drahtlosen Netzwerken enorm steigen – unter anderem durch die rasante Ausbreitung des „Internet of Things“. Kunden benötigen daher integrierte Lösungen, um für jedes Szenario möglichst schnell einen kontrollierten Zugang zum Netzwerk zur Verfügung zu stellen. Neben leistungsfähigen Technologien sind sie dabei auch auf kompetente Implementierungspartner wie VINTIN angewiesen, die umfassende Erfahrungen aus dem Wireless- und dem Security-Umfeld mitbringen.

 

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(c) Fortinet

 

Wie sehen die zukünftigen Pläne von Fortinet im Bereich Enterprise WLAN aus?

 

Wenn wir mit Kunden über Enterprise WLAN sprechen, geht es heute kaum noch um Hardware oder Themen wie Netzwerkausleuchtung. Stattdessen wollen wir unseren Kunden helfen, Wireless-Lösungen mit echtem Mehrwert für das Business zu realisieren. Mit unserer Wireless Retail Analytics-Lösung FortiPresence können Einzelhändler beispielsweise das Einkaufsverhalten ihrer Kunden besser verstehen. Durch Informationen über die Bewegungsmuster innerhalb des WLANs lassen sich dann gezielte Maßnahmen für eine verbesserte Kundenansprache entwickeln. Das Enterprise WLAN wird damit zur Basis für verbesserten Service und höheren Geschäftsumsatz.

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