Ökonomische Zeitenwende: General Electric fällt aus dem Dow Jones

Wer erinnert sich noch an die Dotcom(.com) Blase? An den sagenhaften Aufstieg und rapiden Zerfall des „Neuen Markt“? Während in den 90er Jahren ein Hype um internetbasierte Tech-Unternehmen ausbrach, der zu – nüchtern betrachtet – völlig irrsinnigen Unternehmensbewertungen am Börsenparkett führte, so hielten sich die eigentlichen Schwergewichte der traditionellen Branchen aus Produktion und Handel noch recht unangefochten an den Spitzenpositionen der größten Indizes: Dow Jones, Dax, FTSE und CAC40 wurden von produzierenden Unternehmen, Banken, Versicherungen, Pharma-, Energie- und Handelsunternehmen dominiert.

Innovation vs. business as usual

Für manch dieser „traditionellen“ Unternehmen war das Platzen der Blase am neuen Markt eine Bestätigung der eigenen Wahrnehmung: die „neuen“ digitalen Geschäftsmodelle waren nicht tragfähig und entpuppten sich teilweise als reine Luftnummern. Manches, das als technische Revolution zum Beispiel im digitalen Onlinemarketing angepriesen wurde, war im Grunde trivial. Waren es nicht die großen Konzerne und Konglomerate, die gestärkt aus der kurzfristigen Hype hervorgingen? Mit dem Fallen Tech-Aktien strömte das Kapital wieder in „solide“ Werte – am besten mit hoher Dividendenrendite.

Für manch andere Unternehmen jedoch, waren diese turbulenten Zeiten ein Weckruf. Die neuen Tech-Unternehmen hatten auch eine neue Generation Unternehmen hervorgebracht und eine große Zahl digitaler Talente mit Know-how auf Spitzenlevel. Oft waren die Fachkräfte der Tech-Unternehmen nicht älter als 25 oder 30 Jahre. Und doch konnten sie mit ihren Technologien und Innovationen bewährte analoge Produkte, Produktionsprozesse und ganze Wertschöpfungsketten in den Schatten stellen. Es ist bezeichnend, dass viele dieser Digitalpioniere heute entweder erneut als Unternehmen tätig sind, oder bei jenen Dax-Konzernen arbeiten, die auch heute noch zu den innovativsten Ihrer Branche gehören.

Es gleicht einer Zeitenwende, wenn nun erstmals seit 111 Jahren das legendäre Konglomerat General Electric (GE) aus dem Dow Jones fliegen wird. Einen beinahe melancholischen, wenngleich ausgezeichneten Kommentar dazu verfasste Maximilian Nagel für das Finanzmarktportal Finanzen100. Völlig zu Recht weist Nagel darauf hin, dass der Dow Jones Industrial Average tatsächlich nur noch eine Handvoll echter Industriekonzerne aufweist. Gedacht als repräsentativer Index der US-Wirtschaft steht das Ausscheiden von General Electric für nicht weniger als einen konsequenten Abgesang auf die Zeit der großen, unflexiblen Industriekonglomerate.

Und nun?

Umso wichtiger ist es, spätestens jetzt die richten Lehren zu ziehen. Seien es große Konzerne oder mittelständische Unternehmen: kein Business ist sicher vor digitaler Disruption. Mitbewerber können innerhalb von Monaten auftauchen und mit digitalen Innovationen ganze Branchen aufwirbeln. Was zählt ist, selbst Innovation zu entwickeln und digitale Kompetenz zu erlangen. In Zeiten der Fußball-WM mag eine Metapher wie die folgende angebracht sein: so lange Sie den Ball haben, kann der Gegner kein Tor schießen.

 

Ein Kommentar von Jakob Rinkewitz, VINTIN Digital Transformation Strategist und Mitglied des WOLKENMACHER.ROCKS Teams.

 

 

 

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