Sieben Monate nach der Zebra-Übernahme: Wie sieht die zukünftige Wireless-Strategie von Extreme Networks aus?

Ende vergangenen Jahres hat unser Technologiepartner Extreme Networks das Wireless-Business von Zebra Technologies übernommen. Das Unternehmen wurde dadurch nach Marktanteil zum viertgrößten Anbieter von Wireless-Lösungen weltweit. Mit der Übernahme erweiterte Extreme Networks zum einen sein Hardware-Angebot im WLAN-Bereich. Die von Zebra Technologies entwickelten WiNG Access Points sind heute in Branchen wie Einzelhandel, Gastronomie und Hotellerie sowie Transport und Logistik weit verbreitet. Zum anderen verfügt Extreme Networks nun mit AirDefense auch über eine sehr leistungsfähige Security- und Monitoring-Lösung für drahtlose Umgebungen.

Extreme Networks übernahm unmittelbar nach der Akquisition den Kundensupport für die Wireless-Lösungen von Zebra Technologies und hat mittlerweile auch die Vertriebs- und Lizenzierungsprozesse zusammengeführt. Aber wie sieht die zukünftige Lösungs- und Produktstrategie aus? Olaf Hagemann, SE Director DACH bei Extreme Networks, gab uns Auskunft.

Olaf Hagemann, SE Director DACH bei Extreme Networks

 

Herr Hagemann, seit Ende vergangenen Jahres haben Ihre Kunden die Wahl zwischen zwei unterschiedlichen Produktlinien im Wireless-Bereich. Wie werden diese künftig integriert?

Hagemann: Die technische Integration der Wireless-Lösungen von Zebra Technologies ist noch nicht abgeschlossen. Die beiden Produktlinien laufen vorerst parallel weiter und unsere Kunden entscheiden im Einzelfall, welche Lösung für ihre konkreten Anforderungen besser geeignet ist.

Was sind aus Kundensicht die wichtigsten Kriterien bei dieser Entscheidung?

Hagemann: Die ExtremeWireless-Komponenten sind natürlich überlegen, wenn es um die nahtlose Integration mit den Management- und Software-Lösungen von Extreme Networks geht geht. Allen Kunden, die Anforderungen in Richtung Applikationsanalyse oder Network Access Control haben oder ihre Wireless- und Wired-Komponenten über eine zentrale Oberfläche verwalten wollen, empfehlen wir ExtremeWireless.

Und in welchen Situationen raten Sie Kunden zu WiNG-Lösungen?

Hagemann: Die WiNG-Lösungen bieten große Vorteile für dezentrale Umgebungen mit lokal unterschiedlichen Konfigurationen. Ein typischer Kunde ist beispielsweise eine Supermarktkette mit hunderten Standorten und mehreren tausend Access Points, die in jedem Supermarkt anders konfiguriert sind. In diesem Szenario wird einer der Access Points als lokaler Controller definiert. Data Plane und Control Plane befinden sich damit vor Ort im Supermarkt, nur die Management Plane wird zentral betrieben. In einer ExtremeWireless-Umgebung habe ich dagegen immer eine zentrale Control Plane. Wenn nun beispielsweise die Supermarktkette für jeden ihrer Standorte eigene SSIDs einrichten möchte, stoße ich mit ExtremeWireless unter Umständen an die Grenzen der vom Controller maximal unterstützten Anzahl von SSIDs.

Für Organisationen mit vielen kleineren Standorten ist die WiNG-Architektur also häufig die bessere Wahl?

Hagemann: Richtig, die WiNG-Lösung ist derzeit in dezentralen Umgebungen einfacher skalierbar. Dazu gehört beispielsweise auch das Handling von Konfigurationsschablonen. Um beim Beispiel mit der Supermarktkette zu bleiben: Sobald ein neuer Access Point in einem Laden angeschlossen wird, kann der Controller anhand des DHCP-Scopes erkennen, in welchem Supermarkt sich der Access Point befindet. Dann weist er dem Access Point automatisch die individuelle Konfiguration für diesen Standort zu. Mit ExtremeWireless ist dies – Stand heute – nur mit gewissen Klimmzügen möglich.

Wann wird eine übergreifende Steuerung der ExtremeWireless- und WiNG-Komponenten möglich sein?

Hagemann: Wir planen derzeit, etwa Mitte 2018 einen gemeinsamen Controller vorzustellen, der rückwärtskompatibel zu den beiden Wireless-Produktlinien ist. Die Lösung unterstützt dann voraussichtlich auch bereits den neuen 802.11ax-Standard. Technologische Basis für den neuen Controller wird wohl die WiNG-Architektur sein. Die bestehenden Funktionen des ExtremeWireless-Controllers werden dann auf die neue Plattform migriert. Das User-Interface des neuen Controllers wird sich sehr stark an der ExtremeCloud orientieren. Administratoren können dann künftig sehr einfach zwischen On-Premise- und Cloud-basiertem Management wechseln.

Neben der ExtremeCloud gibt es derzeit auch noch eine Cloud-Management-Plattform für WiNG-Umgebungen – wann werden diese zusammengeführt?

Hagemann: Hier sind wir mit der Integration schon sehr weit. Die Funktionen des WLAN Cloud Service von Zebra fließen derzeit in die ExtremeCloud ein. Eine gemeinsame Plattform sollte in wenigen Monaten zur Verfügung stehen.

Wie sieht die weitere Roadmap für die beiden Hardware-Linien aus?

Hagemann: Die Produktlinien wachsen Schritt für Schritt zusammen. Künftig wird es nur eine Wireless-Linie von Extreme Networks geben. Erste Integrationsschritte sind bereits sichtbar: Den neuen Access Point AP 3916 mit Überwachungskamera bieten wir beispielsweise auch in einer WiNG-Variante an, die Hardware ist jedoch vollkommen identisch. Eine aktualisierte Roadmap für unsere Wireless-Lösungen erscheint im Laufe der nächsten Wochen. Der Zeitplan hängt teilweise noch vom Fortschritt bei unseren aktuellen Akquisitionsprojekten ab (Avaya / Brocade).

Seit der Übernahme von Zebra Technologies gehört auch die AirDefense Plattform zum Lösungsportfolio von Extreme Networks. Welche Mehrwerte bietet diese Lösung für Ihre Kunden?

Hagemann: AirDefense ist die leistungsfähigste Intrusion Detection- und Intrusion Prevention-Lösung für drahtlose Netzwerke, die derzeit am Markt verfügbar ist. Angesichts der aktuellen Sicherheitsbedrohungen und immer strengerer gesetzlicher Vorgaben gewinnt das Thema Wireless Security enorm an Bedeutung. Für Initiativen wie Industrie 4.0, aber auch für mobile digitale Workflows im Gesundheitswesen ist die Absicherung der Luftschnittstelle ganz entscheidend. Mit AirDefense können unsere Kunden das Sicherheitsniveau ihrer WLAN-Umgebung erheblich erhöhen und potentiell riskante Aktivitäten schnell erkennen und blocken. Zudem bringt die Lösung sehr hilfreiche Funktionen für das Monitoring von WLAN-Umgebungen mit. So lassen sich beispielsweise Störfaktoren identifizieren, die die Leistung der mobilen Anwendungen in einem bestimmten Bereich des Netzwerks beeinträchtigen. AirDefense bietet daher aus unserer Sicht enormen Nutzen für unsere Wireless-Kunden.

 

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