Was heißt eigentlich „Digitalisierung“?

VINTIN Marketingleiter Jakob Rinkewitz zeigt, wie schwer der Bergriff der „Digitalisierung“ – obgleich in aller Munde – noch immer zu fassen ist und was daraus gelernt werden kann.

VINTIN Marketingleiter Jakob Rinkewitz beschäftigt sich seit Jahren mit B2B Business Development und Marketing. Besonders interessant findet er Fragestellungen zu gelungener und fehlgeschlagener Kommunikation sowie sozio-ökonomischen Diskursen.

Ich finde es immer sehr spannend zu beobachten, wie manche Begriffe gerade zu einen Hype im öffentlichen Diskurs erfahren. Einer dieser Begriffe, ist seit einigen Jahren die „Digitalisierung“. Von Politikern ebenso wie von Journalisten wurden die vielfältigsten Themenkomplexe und Phänomene einer „neuen Zeit“ mit diesem einen Wort beschrieben. Hätte man von eben jenen Personen auch eine Definition des Begriffs selbst verlangt, so wäre man wohl meist auf fragende, vielleicht auch verlegene, Reaktionen gestoßen. Aber: Abhilfe ist hier gerade NICHT möglich!

 

Definitionen en masse

Die Problematik zeigt sich schon in der Vielzahl verschiedener Definitionen selbst, die mit der Zeit erarbeitet wurden. Ich möchte dazu einen kleinen Überblick geben und drei Definitionen für Digitalisierung aus unterschiedlichen Quellen und Kontexten vorstellen.

 

Wissenschaft

Das anerkannte Gabler Wirtschaftslexikon definiert Digitalisierung wie folgt: „Der Begriff der Digitalisierung hat mehrere Bedeutungen. Er kann die digitale Umwandlung und Darstellung bzw. Durchführung von Information und Kommunikation oder die digitale Modifikation von Instrumenten, Geräten und Fahrzeugen ebenso meinen wie die digitale Revolution, die auch als dritte Revolution bekannt ist, bzw. die digitale Wende. […]“

 

Wir sehen bereits hier, dass der Begriff selbst mindestens zwei Dimensionen aufweist. Zum einen wird damit ein technischer Vorgang beschrieben und zum anderen ein gesellschaftlich-ökonomisches Phänomen bzw. eine durch die technischen Vorgänge angestoßene und sich verselbständigende Veränderung des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens. Beide Dimensionen sind zwar durchaus interdependent, können aber keinesfalls gleichgesetzt werden. Was könnte also gemeint sein, wenn wir Schlagzeilen lesen wie zum Beispiel: „Die Digitalisierung verändert alles“ ?

 

Wirtschaftspresse

In einem sehr lesenswerten Beitrag in der Wirtschaftswoche  wird folgende Kurz-Definition vorgenommen: „Einerseits bedeutet Digitalisierung das Umwandeln analoger Daten in digitale. Andererseits beschreibt es die Automation von Prozessen und Geschäftsmodellen durch das Vernetzen digitaler Technik, Informationen und Menschen.“ Hier steht also weit stärker die technische und ökonomische Komponente im Vordergrund, weniger hingegen die gesellschaftspolitische.

 

Regierung

Auch die Bundesregierung tut sich schwer mit einer einheitlichen Definition. Das zeigt sich schon daran, dass die Digitalisierung als Begriff im Wirtschaftslexikon der Bundeszentrale für Politische Bildung schlicht nicht auftaucht. Man hat aber einen Weg gefunden, der geradezu beispielhaft ist: In einer Broschüre zur Digitalen Agenda der Bundesregierung wird auf eine Definition verzichtet. Stattdessen lässt man verschiedene Bürger zu Wort kommen und diese berichten, was sie selbst jeweils unter der Digitalisierung verstehen und damit verbinden. Dann kann dann ein Videotelefonat im Privaten sein oder Cloud Computing in einem Unternehmen.

 

Was lernen wir?

Entscheidend für die Kommunikation von Inhalten ist für mich in diesem Zusammenhang: Es ist manchmal sinnvoller, bestimmte BuzzWords eben nicht zu nutzen, um die eigene Botschaft möglichst zielgerichtet vorbringen zu können. Es macht daher keinen Sinn, sich beispielsweise als Dienstleister als Partner für „die Digitalisierung“ von Unternehmen im Diskurs zu positionieren. Tatsächlich kann man so zwar eine gewisse Breitenwirkung erreichen. Andererseits bleibt für viele Empfänger der Botschaft jedoch der Inhalt selbst unklar. Oder noch schlimmer: Es werden Erwartungen aufgebaut, die bei näherer Kooperation enttäuscht werden. Gerade in der IT-Branche wird dieser Fehler leider noch zu häufig gemacht. Dabei ist weit mehr gewonnen, wenn klar die eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten kommuniziert werden.

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