Was IT-Leiter von Fußballtrainern lernen können

Auf den ersten Blick haben IT-Leiter und Fußballtrainer wenig gemein. Doch bei genauer Betrachtung stehen beide vor ganz ähnlichen Herausforderungen.

VINTIN Marketingleiter Jakob Rinkewitz beschäftigt sich seit Jahren mit B2B Business Development und Marketing. Besonders interessant findet er Fragestellungen zu gelungener und fehlgeschlagener Kommunikation sowie sozio-ökonomischen Diskursen.

Ich würde fast eine Wette eingehen: Vermutlich gehen Sie gerade davon aus, dass ich im Folgenden über Teamführung, modernes Leadership und Kommunikation in komplexen Teams mit ganz unterschiedlichen Aufgabenverteilungen sprechen möchte. Nun: Weit gefehlt! Mir geht es bei meinem Vergleich um etwas ganz anderes. Es geht um die Basis des Spiels: Um Taktik.

 

Der Fußballtrainer im Laufe seiner Evolution

Denken wir einmal zurück und erinnern wir uns, welche Trainertypen den Fußball noch vor 10 Jahren geprägt haben. Das waren diejenigen, die wir heute als „Trainer vom alten Schlag“ bezeichnen würden. Dazu zähle ich zum Beispiel Trainer wie Felix Magath, Frank Pagelsdorf, Eduard Geyer oder auch Thomas Schaf. Viele andere könnten in dieser Reihe folgen. Soweit, so bekannt.

 

Interessant finde ich, wie im allgemeinen die neue Trainergeneration um zum Beispiel Thomas Tuchel oder Julian Nagelsmann bezeichnet wird: Die Presse spricht hier von sogenannten „Konzept-Trainern“. Eine durchaus fragwürdige Bezeichnung, wie ich finde. Denn es impliziert, dass die „Trainer vom alten Schlag“ eben kein Konzept, mithin also keine ausgearbeitete Taktik, für Ihre Mannschaften hatten – was so nachweislich nicht zutrifft. Spannender finde ich, ob ein Trainer, ob nun jung oder alt, mehr als eine einzige Taktik für seine Mannschaft finden und auch umsetzen kann. Darin liegt für mich aktuell der Schlüssel für mittelfristig planbaren sportlichen Erfolg. An zwei Beispielen möchte ich das konkretisieren.

 

Zwei Beispiele: Eine Taktik reicht nicht aus

Ich habe bereits Thomas Schaf angesprochen. Als dieser beim Nordclub Werder Bremen das Ruder übernahm, stand der Verein mit dem Rücken zur Wand. Nach der erfolgreichen Ära mit „König“ Otto Rehhagel folgten bittere Jahre des Abstiegskampfes. Mit Thomas Schaf begann dann eine Ära des erneuten sportlichen Erfolgs bis hin zur regelmäßigen Teilnahme an der Champions League und der deutschen Meisterschaft 2004. Vielfach wurde das von Schaf eingeführte Spielsystem als Schlüssel des Erfolgs ausgemacht. Mit der Bremer „Raute“ im Mittelfeld und einer dynamischen Offensive mit schnellem Umschaltspiel nach Ballgewinn spielte Bremen auch vermeintlich stärkere Mannschaften an die Wand.

 

Doch nach einigen Spielzeiten wurde klar: Der „Code“ war geknackt. Die anderen Trainer wussten sich immer besser auf das Bremer Spiel einzustellen. Das Resultat: Bremen schlitterte wieder dorthin, wo Thomas Schaf einst übernommen hatte: In den Abstiegskampf. Es zeigte sich deutlich, dass die Bremer Mannschaft kein neues Spielsystem verinnerlichen und umsetzen konnte. Deshalb spielte man gegen alle Mannschaften immer gleich und war bis ins Detail ausrechenbar. Andere Mannschaften waren flexibler und so auch erfolgreicher.

 

Als zweites Beispiel möchte ich die Nationalmannschaft Hollands nennen. Die Elftal läuft nun bereits seit Jahren den eigenen Ansprüchen weit hinterher. Zu lange hielt man an der sogenannten „Holländischen Schule“ fest, die mit dem Voetbal Totaal von der Generation des legendären Johan Cruyff geprägt wurde. Doch auch hier zeigte sich bald das gleiche Muster. Den zunächst eintretenden Erfolgen schlossen sich viele Jahre des Misserfolgs an. Allen Gegnern war auch ohne lange Vorbereitung klar, wie Holland spielen würde. Es ist deshalb geradezu bezeichnend, dass das letzte erfolgreiche Turnier der Elftal die Weltmeisterschaft 2014 war, als man erst im Halbfinale gegen Argentinien scheiterte und im Turnierverlauf Spanien mit 5:1 besiegte: Der Trainer damals war Louis van Gaal – einer der wenigen Trainer des Landes, die nicht ausschließlich mit einer Taktik arbeiten sondern Ihren „Matchplan“ auch nach dem Gegner ausrichten.

 

Sportlicher Erfolg und das große Business

Marco Bode, der junge Bremer Aufsichtsratsvorsitzende und Ehrenspielführer, äußerte jüngst die an sich profane Feststellung: „Wirtschaftlicher Erfolg kommt mit dem sportlichen Erfolg. Umgekehrt ist es immer schwieriger.“ Spätestens jetzt aber ist die erste Parallele zu IT-Leitern in der heutigen Zeit unübersehbar: Eine erfolgreiche IT-Abteilung trägt direkt zum wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens bei und ist vielfach, gerade im Bereich der Digitalwirtschaft, sogar eine unabdingbare Voraussetzung dafür. Ist die IT-Abteilung jedoch nicht oder nur in bestimmten Bereichen „erfolgreich“, so kann das Unternehmen ebenso direkt wirtschaftlichen Schaden nehmen und im Wettbewerb zurückfallen.

 

Was IT-Leiter daraus lernen können

Für IT-Leiter, CIOs und CDOs bedeutet das eindeutig: Technik ist schön, was zählt ist der Erfolg. Und dafür ist heute mehr denn je Flexibilität gefragt. Das bedeutet, dass sich IT-Abteilungen von einer „reinen Lehre“ verabschieden müssen. In Zukunft werden Unternehmen aller Größenordnung vor entscheidenden Fragen stehen. Diese lauten aber nicht: Cloud, Managed Service oder Inhouse? Vielmehr müssen sich IT-Leiter fragen: Welche Taktik wende ich auf welche Herausforderung an?

 

Das heißt: Wo muss ich Daten und Anwendungen Inhouse behalten und wo kann ich die Vorteile der Cloud nutzen? Wann erledige ich bestimmte Tasks mit eigenem Personal und wann greife ich auf Managed Services zurück? Gewinne ich womöglich einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil für mein Unternehmen, wenn ich bestimmte Standorte im IT-Outsourcing betreibe?

 

Ich bin davon überzeugt, dass schon heute die richtige Beantwortung dieser Fragen ganz entscheidend zum Unternehmenserfolg beiträgt. Wer sich dieser Fragen aber verweigert, der riskiert den Erfolg des eigenen Unternehmens und damit auch den Bedeutungsverlust der IT-Abteilung. Mit neuer Flexibilität und modularen Lösungswegen können IT-Abteilungen von „Geldfressern“ zu Business-Treibern werden und ihre Unternehmen erfolgreich prägen. CIOs werden so nicht nur zum Trainer der IT-Mannschaft, sondern zum Coach eines ganzen Unternehmens.

Abonnieren Sie die Beiträge unseres VINTIN IT-Journals! In Zukunft werden Sie bei neuen Inhalten per Email kurz und bündig informiert.



Spread the Word!Email this to someoneShare on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on LinkedInPrint this page


T: +49 (0) 9721 / 67594-10

VINTIN GROUP Löwe

HABEN SIE NOCH FRAGEN?